Ab sofort Beratung für ukrainische Geflüchtete

RegionalMedien Austria/Maximilian Spitzauer

Ein neues Angebot von Rat auf Draht bietet eine Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete. Per Chat können Kinder und Jugendliche über ihre Sorgen, Ängste und Bedürfnisse sprechen – für deren Eltern wurde eine Online-Videoberatung eingerichtet.

ÖSTERREICH. Rund 65.000 Ukrainerinnen und Ukrainer sind aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen ihr Heimatland nach Österreich geflüchtet. Während sie die akuten Gefahren des Krieges damit hinter sich gelassen haben, bleiben Sorgen, Ängste und Bedürfnisse bestehen, verändern oder verstärken sich. Das erweiterte Angebot von Rat auf Draht bietet nun eine Anlaufstelle, über die sich Betroffene mit ukrainisch- und russischsprachigen Beraterinnen und Beratern austauschen können. Kinder und Jugendliche können das via Chatberatungen, für deren Eltern und Bezugspersonen wurde eine Online-Videoberatung eingerichtet.

Chat für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Das Chat-Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre. Drei Mal die Woche haben sie die Möglichkeit mit ausgebildeten Beraterinnen und Beratern, die selbst über einen ukrainischen Background verfügen, zu chatten. Dass die Gespräche in dieser Form stattfinden, soll Hemmschwellen und Barrieren abbauen und den betroffenen Kindern und Jugendlichen erleichtern, über Dinge zu sprechen, über die sie sonst nicht sprechen könnten, erklärt Christine Piriwe, Beraterin der Notrufnummer 147. Wie und wann du mit Rat auf Draht chatten kannst, erfährst du hier. 

Videoberatung für Eltern

Auf der anderen Seite haben Eltern die Möglichkeit, eine ukrainisch- bzw. russischsprachigen Videoberatung zu Fragestellungen rund um den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in Anspruch zu nehmen. Bereits unmittelbar nach dem Kriegsbeginn und der Flucht vieler Schutz suchender Familien nach Österreich häuften sich auch bei Rat auf Draht die Anfragen von Eltern zu den Themen Krieg und Terror. „Wir haben damals gleich einen Artikel zu ‚Wie spreche ich mit meinem Kind über den Krieg?‘ veröffentlicht, der in der Bevölkerung viel Anklang fand“, berichtet Corinna Harles, psychologische Leiterin der Elternseite.

Nun können betroffene Eltern über einen Online-Kalender einen Termin für ein Beratungsgespräch buchen. Typische Themen respektive Fragestellungen können sein:

  • Wie vermittle ich Ruhe, wenn ich selbst Angst habe?
  • Wie erkenne ich, dass mein Kind traumatisiert ist?
  • Umgang mit der neuen Familiensituation (Alleinerziehend/ohne Partner)?
  • Wie erkenne ich, ob mein Kind psychische Probleme hat? Aufklärung und Information über psychische Erkrankungen
  • Was kann helfen, um mich und meine Kinder in das Leben in Österreich zu integrieren?
  • Wo kann ich weiterführende Unterstützung bekommen? (Anlaufstellen) 

Alle Infos zur Videoberatung für Eltern findest du hier. 

Aus der Community für die Community

Für das neue Beratungsspektrum steht ein eigens ausgebildetes Team mit ukrainischem Background und guter Vernetzung in der ukrainischen Community zur Verfügung. „Uns war es extrem wichtig, den Service in der Muttersprache und nicht auf Englisch oder Deutsch anbieten zu können, um hier bestmöglich beraten zu können“, betont Harles.

RegionalMedien Austria/Maximilian Spitzauer

„Wir wollen mit unserem Angebot unseren Teil dazu beitragen, den ukrainischen Geflüchteten die Integration in Österreich zu erleichtern und ihnen eine starke Schulter für ihre Sorgen, Probleme und Ängste bieten. Sagen Sie es daher gerne so oft wie möglich weiter“ 

Christine Piriwe und Corinna Harles

Die häufigsten Sorgen 

Das Projekt ist bereits angelaufen und die ersten Beratungsangebote wurden gut angenommen. In den bisherigen Gesprächen hätten sich einige zentrale Sorgen, Ängste und Bedürfnisse von ukrainische Geflüchtete gezeigt, erklärt Harles. Demnach beschäftigt ukrainische Eltern vor allem die Frage, wie sie mit ihren Kindern am besten über den Krieg sprechen sollen. Aber auch die Anpassung an die völlig neue Situation und das neue Umfeld sei für viele Eltern bzw. Familien sehr herausfordernd. 

Bei Kindern und Jugendlichen seien vor allem Barrieren im Zuge der Integration, etwa die Sprache oder das Knüpfen neuer Freundschaften, Heimweh, psychische Belastungen oder Sorgen um die Zukunftsperspektive die Hauptthemen, so Piriwe. Daneben würden – wie auch bei den Eltern und Bezugspersonen – langsam wieder Themen auftreten, die sie bereits vor dem Krieg beschäftigt hätten.