„Sind auf 200.000 Ukraine-Vertriebene vorbereitet“

Flüchtlingskoordinator Michael Takacs reiste kürzlich in die von der Flüchtlingssituation stark betroffene Republik Moldau. Foto: JÜRGEN MAKOWECZ / APA / picturedesk.com

Rund 64.000 Menschen sind bisher aus der Ukraine nach Österreich geflüchtet und haben sich in weitere Folge auch registrieren lassen. Flüchtlingskoordinator Michael Takacs rechnet damit, dass noch weitere Menschen in Österreich Schutz suchen werden. Man sei jedenfalls auf bis zu 200.000 Menschen vorbereitet.

ÖSTERREICH. Derzeit sind 64.400 Schutzsuchende aus der Ukraine in Österreich registriert. Manche davon kehren trotz aller Gefahren bereits jetzt wieder zurück. Viele folgen der Sehnsucht nach der Heimat und zurückgebliebenen Familienmitgliedern, andere wiederum sind mit den Gegebenheiten außerhalb der Ukraine nicht zurechtgekommen, berichtete das „Ö1-Morgenjournal“ am Donnerstag. Im Radio-Interview legte der von der Regierung eingesetzte Flüchtlingskoordinator Michael Takacs die aktuelle Lage ukrainischer Flüchtlinge in und außerhalb Österreichs dar.

Bis zu 200.000 Ukraine-Vertriebene

Wie viele von den in Österreich Schutz suchenden Menschen aus der Ukraine auch langfristig bleiben würden, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, erklärte Takacs. Laut dem Flüchtlingskoordinator gäbe es immer die Bestrebungen, in die Ukraine zurückzukehren. „Aber, wenn ich dort keine Familie, kein Haus, nichts mehr habe, dann ist natürlich die Wahrscheinlichkeit groß, dass jemand in Österreich bleiben wird“, sagt Takacs.

Österreich bereite sich auf 150.000 bis 200.000 ukrainische Vertriebene vor. Im Ernstfall könne man diese auch versorgen. „Wir sind vorbereitet“, betonte Takacs. 

Nicht alle auf Grundversorgung angewiesen

Die bisher registrierten rund 64.000 Menschen seien jedenfalls sicher in Österreich aufgenommen worden. Man dürfe aber nicht vergessen, dass nur rund 38.000 Ukrainerinnen und Ukrainer die Grundversorgung auch in Anspruch nehmen würden. Der restliche Teil versorge sich in Österreich selbst. Diese Menschen hätten zwar die blaue Karte, würden jedoch keine Hilfsleistungen vom Staat in Anspruch nehmen. 

Es gäbe sehr viele ukrainische Staatsangehörige, die nicht auf die Grundversorgung angewiesen seien – beispielsweise Geschäftsleute – und deshalb noch abwarten würden, erklärte Takacs. Diese Menschen möchten laut dem Flüchtlingskoordinator so rasch wie möglich und sobald es sicher ist, auch wieder in die Ukraine zurück.

Es sei auch möglich, auf Besuch in die Ukraine zu fahren und anschließend wieder nach Österreich zu kommen, ohne die blaue Karte bzw. Ansprüche zu verlieren, versicherte Takacs.

Verzögerung bei Grundversorgung

Laut dem Flüchtlingskoordinator dauert es nicht – wie teilweise gehört – Wochen, bis jemand in die Grundversorgung aufgenommen wird, sondern maximal einige Tage. „Ab dem Zeitpunkt, an den man in Österreich einreist und sich erfassen lässt, laufen die Versorgungsleistungen“, so Takacs. Ein Grund, weshalb Menschen länger warten müssen, könne sein, dass zugewartet wurde, weil es beispielsweise noch andere Pläne wie eine Weiterreise gegeben habe, so der Koordinator.

Was die von der Regierung angekündigte Gleichstellung von Ukraine-Vertriebenen mit Asylberechtigten betrifft – damit gehen weitere Sozialleistungen einher –, verweist Takacs auf einen laufenden Prozess. Derzeit sei kein Zeithorizont bekannt.

Unterstützung für Moldau

Moldau, ein wesentlich kleineres und ärmeres Land als Österreich, hat bereits jetzt 200.000 Menschen aus der Ukraine aufgenommen. In Folge eines Hilferufs vor einigen Wochen sicherte Österreich die Aufnahme von 2.000 Ukraine-Vertriebenen aus Moldau zu. Dieser Prozess sei noch im Gange, erklärte Takacs, der gerade auch vor Ort war.

Österreich hilft weiter

Die Hilfsbereitschaft in der Republik Moldau sei enorm, es brauche aber weitere Unterstützung, beispielsweise in Form von Lebensmittel und Hygieneartikel. Aus Österreich habe es bereits drei Hilfslieferungen gegeben. Inwiefern Österreich die Republik Moldau und die dort untergekommenen Ukraine-Vertriebenen weiterhin unterstützen kann, will Takacs noch mit den zuständigen Ministerien besprechen.