Befragung: Gut gebildete Ukrainerinnen  wollen bleiben

72% der Ukrainerinnen in Österreich verfügen über einen Hochschulabschluss. Zum Vergleich: Nur 19% der Österreicherinnen und Österreicher können das von sich behaupten. (Symbolbild). Fotocredit: Adam Winger/Unsplash

In einer neuen Studie wurden über 800 geflüchtete Ukrainerinnen, die in Österreich leben, zu ihrer aktuellen Situation und ihren Plänen für die Zukunft befragt. Nur ein Drittel kann sich eine Rückkehr ins Heimatland vorstellen, 90% möchten hierzulande beruflich Fuß fassen.

STEIERMARK. Sicherheit, Versorgung und Zukunftsvisionen – diese und weitere Themen wurden in einer repräsentativen Studie des Österreichischen Institut für Familienforschung im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) unter exakt 833 ukrainischen Frauen abgefragt.

Das Wichtigste vorweg: Die geflüchteten Frauen fühlen sich hierzulande überwiegend sicher und gut aufgehoben. 98% geben ein hohes Sicherheitsgefühl an, fast genauso hoch ist auch die Zufriedenheit mit der Versorgung in Österreich (92%).

Zufälliger Zufluchtsort Österreich

Rund ein Drittel der Befragten ist durch Zufall in Österreich gelandet (35%). Weitere 27% nennen Freunde in Österreich als Grund für ihre Flucht hierher. Empfehlungen sowie bereits einmal in Österreich gewesen zu sein, waren für je rund 23% der Geflüchteten ausschlaggebend. Der Großteil der befragten Frauen lebt in Wien (42%), gefolgt von der Steiermark mit 15%. Die wenigsten ukrainischen Vertriebenen sind derzeit in Kärnten wohnhaft.

Bildungsniveau ist sehr hoch

Beachtlich ist das Qualifikationsniveau und die Erwerbsbereitschaft: Fast drei Viertel der geflüchteten Frauen weisen einen Universitätsabschluss auf (72%), weitere 11% haben ihre Hochschulausbildung (noch) nicht abgeschlossen und 13% haben zumindest die Sekundarstufe vollständig absolviert. Mit dem Bildungs- und Betreuungsangebot für die eigenen Kinder ist hingegen nur etwas mehr als die Hälfte zufrieden.

10% der Geflüchteten sind bereits in Österreich berufstätig. Die meisten davon wurden vorübergehend im Gastgewerbe (25%) fündig. 9 von 10 Frauen, die bisher keine Erwerbstätigkeit aufgenommen haben, streben diese in Österreich an. In der Gruppe der 41- bis 55-Jährigen ist der Anteil besonders hoch (91%). Auffallend erstrebenswert sind für die befragten Frauen Tätigkeitsfelder im Büro (46%) sowie im Sozialbereich (43%).

Immerhin 40% können sich auch auf lange Sicht einen Job im Gastgewerbe gut vorstellen. Gefragt ist auch eine Beschäftigung im Bildungssektor – rund ein Drittel spricht sich dezidiert dafür aus.

Rückkehr für ein Drittel realistisch

Konkrete Pläne für eine Rückkehr in die Ukraine haben insgesamt 30% der Befragten, wobei sich diese nur ein Bruchteil (1%) für die nächsten Wochen vorgenommen hat. Überraschend wenige Frauen wollen noch Familienmitglieder nach Österreich nachholen, wenn, dann sind das in erster Linie die eigenen Mütter, gefolgt vom Partner bzw. der Partnerin.

Studiendesign und Hintergründe

  • Die Studie „Aktuelle Situation und Zukunftspläne von Ukraine-Vertriebenen in Österreich“ wurde im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds durchgeführt.
  • Befragungszeitraum: 16. bis 30. Mai 2022
  • 833 ukrainische Flüchtlinge im Alter von 18 bis 55 Jahren wurden online befragt. 
  • Die Umfrage steht kostenlos zum Download zur Verfügung.