GU-Nord: Gemeinden bieten vorübergehendes Zuhause für Ukrainer

Aktuell sind rund 620 Ukrainer:innen im Bezirk Graz-Umgebung untergebracht. Foto: Symbolfoto AdobeStock/OneWellStudio

Die Hilfsbereitschaft gegenüber den Ukrainer:innen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, ist nach wie vor groß. Viele Gemeinden bieten Familien und Einzelpersonen ein vorübergehendes sicheres Zuhause an. Wir haben uns die Zahlen für Graz-Umgebung Nord angeschaut.

GRAZ-UMGEBUNG. „Unzählige Menschen in der Ukraine erfahren derzeit unfassbares Leid. Die Steiermark nimmt ihre humanitäre Verantwortung wahr und reagiert rasch“, teilten Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und sein Stellvertreter Anton Lang bereits Anfang April mit. „Wir gehen derzeit davon aus, dass Österreich und die Steiermark nicht das Hauptziel der Flüchtenden sein werden. Wir bereiten uns dennoch gut auf alle Eventualitäten vor. Den erfolgreichen steirischen Weg – kleinere Quartiere in enger Abstimmung mit den Gemeinden und regional verteilt – werden wir fortsetzen“, ergänzte Soziallandesrätin Doris Kampus.

Insgesamt sind mit Stand 25. April in Graz-Umgebung 618 Ukrainer:innen untergebracht, vorwiegend in privaten Unterkünften (mit Stichtag 11. April waren es noch 524). Die größte Altersgruppe machen die Über-18-Jährigen (379) aus, gefolgt von den sechs- bis zehnjährigen Kindern (82). Im Norden des Bezirks sind aktuell 325 Ukrainer:innen in elf von 15 Gemeinden.

Die Hilfsbereitschaft ist im ganzen Land groß: Unterkünfte werden bereitgestellt.
Die Hilfsbereitschaft ist im ganzen Land groß: Unterkünfte werden bereitgestellt. Foto: BENEDIKT LOEBELL / APA / picturedesk.com

Kinder willkommen heißen

In Gratkorn sind, laut aktuellem Stand, im Vergleich die meisten Kinder von 0 bis zum sechsten Lebensjahr untergebracht. Deshalb sind Kindergärten und Schulen ein großes Thema. „Kindergartenplätze sind bei uns in der Marktgemeinde ein schwieriges Thema“, sagt Bürgermeister Michael Feldgrill, „aber wir versuchen unser Bestes, die Infrastruktur für alle auszubauen“. 

Um den Kindern eine unbeschwerte Zeit ermöglichen zu können und gleichzeitig den Eltern eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, hat der Ausschuss für Soziales und Familie unter der Obfrau Monika Kuss gerade den Spielenachmittag ins Leben gerufen, der zwei Mal die Woche stattfinden wird. Deutsch zu lernen, um sich im Alltag besser zurecht zu finden, auch das steht am Plan der Marktgemeinde. „Die Deutschkurse sind gefragt, die Anmeldungen laufen“, so Feldgrill.

In Ankunftszentren werden die Ukrainer:innen empfangen und die Daten aufgenommen.
In Ankunftszentren werden die Ukrainer:innen empfangen und die Daten aufgenommen. Foto: BENEDIKT LOEBELL / APA / picturedesk.com

Teilhabe am Leben

Die meisten Menschen sind in der Stadtgemeinde Frohnleiten. Bereits Anfang März hat Frohnleitens Bürgermeister Johannes Wagner dem Land Steiermark angeboten, mit dem Hotel Frohnleitnerhof für geflüchtete Menschen eine Unterkunft bereitzustellen. In Zusammenarbeit mit einer Trägerorganisation – in diesem Fall der Caritas Flüchtlingsbetreuung – sind schon nach weniger Zeit Frauen, Männer und Kinder eingezogen. „Die Situation ist gut, die Menschen fühlen sich sehr wohl bei uns. Das haben sie uns auch gesagt“, so Wagner gegenüber MeinBezirk.at.

Relativ rasch wurden erste Deutsch-Kurse organisiert, die hauptsächlich von Freiwilligen abgehalten werden. Die soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hat Priorität: „Integration ist wichtig, deshalb sind die Ukrainer, die bei uns untergekommen sind, auch Teil von Frohnleiten. Mit allem, was dazugehört, wenn sie es wollen. Wir planen, uns besser kennenzulernen. Die Angebote werden weiter ausgebaucht.“

Eine Märchenstadt

Das trägt auch schon erste Früchte. So bewohnt im Moment Anatoly Zmiyov den Frohnleitnerhof, der in seiner Heimat Kramatorsk – eine Großstadt mit etwa 160.000 Einwohner:innen im Osten der Ukraine – Journalist ist und seine Fähigkeit, das, was er sieht, in Worte zu packen, bereits umgesetzt hat: Die Eindrücke, die Frohnleiten bei ihm und den Ukrainer:innen bislang hinterlassen haben, hat er in einem Online-Zeitungsartikel niedergeschrieben hat. Dabei beschreibt er zum Beispiel nicht nur, wie er mit seiner Frau, seiner Tochter und Enkelin über die Slowakei in die Stadtgemeinde kam.

Er schreibt über die Berge und die Mur, wie die Mülltrennung funktioniert, wie Straßen gereinigt werden, wie sich die Frohnleitner kleiden oder wie kürzlich Ostern gefeiert wurde. Er schreibt auch darüber, dass es viele Radfahrer:innen gibt, warum die Lebensmittel bereits beim Kauf eingepackt sind, wie vor Ort mit einem Corona-Verdachtsfall umgegangen wird und mehr. Das alles hat der Journalist auch mit Bildern festgehalten. 

Foto: Screenshot

Und Zmiyov schreibt, wie er die Stadtgemeinde auf den ersten Blick wahrgenommen hat: „Der zentrale Platz der Stadt und die Straßen ähneln der Kulisse einer Märchenstadt. Alle Häuser sind in bunten, leuchtenden Farben gestrichen, jedes Haus hat seine eigene einzigartige Architektur und Erscheinung.“ (Übersetzung; hier geht es zum Originalartikel.)