Ukrainische Spielgruppe als „Ort des Respekts“ nominiert

Gratkorn setzt auf "Gemeinsam stark für Kinder", das betrifft auch die Unterstützung Ukrainischer Familien im Alltag. Fotocredit: unsplash/Kelly Sikkema

Schon zum fünften Mal wird zivilgesellschaftliches Engagement vor den Vorhang geholt. Mit den „Orten des Respekts“ werden österreichweit Initiativen, Organisationen und auch Privatpersonen gesucht, die Tag für Tag einen wichtigen Beitrag für ein respektvolles Zusammenleben pflegen. Aus Gratkorn geht ein Projekt ins Rennen.

GRATKORN. Als der Krieg in der Ukraine begann, griffen die Europäerinnen und Europäer zusammen und boten rasch und unkompliziert Hilfen an – nicht wenige reisten zu den Grenzen, um Ukrainerinnen und Ukrainer abzuholen, noch mehr stellten Familien ein vorübergehendes und sicheres Zuhause fernab der Heimat zur Verfügung. Schutz ist das eine wichtige Element, die gesellschaftliche Teilhabe, um zumindest ein Stück Normalität erfahren zu können, das andere.

Kindern und Familien helfen

In der Marktgemeinde Gratkorn hat man kurzerhand eine Spielgruppe für ukrainische Kinder ins Leben gerufen. Hier sollen und können die kleinsten Ukrainerinnen und Ukrainer einfach Kinder sein dürfen, miteinander spielen, sich austauschen und Neues, vor allem Positives erleben. 

„Uns ist es wichtig, den Kindern Halt und Stabilität zu geben“, sagt die Projektkoordinatorin Tanja Grinschgl, die auch Projektkoordination für „Gemeinsam stark für Kinder“ in Gratkorn ist. Zwei Pädagoginnen, die ebenfalls aus dem Kriegsland flüchten mussten und in Gratkorn eine Möglichkeit zur Beschäftigung suchten, leiten diese Gruppe.

Eine Abwechslung bieten

Die Kinder können ohne Anmeldung beliebig oft und lange teilnehmen. Dass die Betreuung einmal nachmittags und einmal vormittags ist, hat praktische Gründe: Der Vormittag ist für die jüngeren Kinder und der Nachmittag auch für die Kinder, die bereits die Schule besuchen, vorgesehen. Natürlich steht die Spielgruppe für die Mütter offen, um die Möglichkeit für Gespräche, Austausch und gegenseitiger Unterstützung zu bieten.

  • Jeweils für drei Stunden am Montagvormittag im Jugendcafé und fünf Stunden Freitagnachmittag in einem Kindergarten erfahren die Kinder hier Gemeinschaft mit Gleichaltrigen beim Spielen, Singen und Tanzen.

„Wir wussten: Ok, es gibt Bedarf und wir haben die Ressourcen. Wir haben uns gefragt, was die Familien und Kinder brauchen, um ein Stück weit Abwechslung in den Alltag zu bekommen. Die meisten haben seit der Ankunft in Gratkorn immer davon geredet, dass der Krieg bald vorbei ist und dass sie in ihre Heimat, die Ukraine, zurückkehren werden“, sagt Grinschgl gegenüber MeinBezirk.at. Und sie fügt hinzu: „Wir wissen, dass es anders ist. Also wollen wir die Familien noch mehr unterstützen.“

Unterstützung für Unterstützer

Genau dieses Engagement sorgt dafür, dass die Spielgruppe als „Ort des Respekts“ nominiert wurde. Respekt.net und Raiffeisen NÖ-Wien setzen dabei auf Initiativen, die eine positive Vorbildwirkung für andere haben und kreative Wege gehen, die das Miteinander auch wirklich leben. Alle Projekte, die eingereicht wurde, werden nach den Kriterien genau untersucht, eine Jury wird sie bewerten. Das Online-Voting startet am 24. August, dann können auch Private mitstimmen. „Gerade die letzten Monate zeigen, dass Respekt nicht immer selbstverständlich ist. Doch gibt es viele Vereinigungen und Initiativen, die etwas Besonderes für die Gesellschaft leisten. Das wollen wir unterstützen. Deshalb fördern wir diese ‚Orte des Respekts‘ aus tiefer Überzeugung. Ich freue mich, einen Beitrag dafür zu leisten, dass Menschen, die sich tagtäglich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Österreich einsetzen“, so Michael Höllerer, Generaldirektor Raiffeisen NÖ-Wien.