Psychologische Hilfe für Ukraine-Geflüchtete in Wien

Neben Hilfe bei Unterkunft, Registrierung oder Spracherwerb gibt es auch psychologische Unterstützungsangebote. Foto: Max Spitzauer/RMW

Der Wiener Verein T.I.W. kümmert sich eigentlich um sozial benachteiligte Jugendliche. Durch den Ukrainekrieg hat man das Angebot nun aber erweitert und bietet psychologische Unterstützung für geflüchtete Familien an.

WIEN/MARGARETEN. Der gemeinnützige Verein für Training, Integration und Weiterbildung (T.I.W.) hat es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligte Jugendliche bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen mit den Jugendlichen, helfen ihnen bei Bewerbungsschreiben, üben das Vorstellungsgespräch und schauen, dass diese den neuen Arbeitsplatz auch dauerhaft behalten.

Durch den Krieg in der Ukraine und den tausenden geflüchteten Menschen, die in Wien Zuflucht suchen, hat der Verein jetzt ein neues Projekt ins Leben gerufen und bietet Unterstützung für geflüchtete Familien. Seit Ende Mai ist eine ukrainische Psychologien, die selbst geflüchtet ist, sowie eine Psychotherapeutin für das Projekt bei T.I.W. im Einsatz.

Hilfe für Kinder und Erwachsene

Diese bietet ab sofort psychologische Entlastungsgespräche für Geflüchtete an. „Wenn man sich die Geschichten anhört von den Betroffenen, das ist schon dramatisch“, wie Geschäftsführer Andreas Pollak aus den Gesprächen mit Geflüchteten weiß. Das Angebot ist offen für alle Altersgruppen.

T.I.W.-Geschäftsführer Andreas Pollak weiß, wie wichtig psychologische Hilfe für Geflüchtete ist. Foto: Sophie Brandl/RMW

Besonders aber die ältere Generation liegt Pollak am Herzen, denn auf diese würde meist vergessen. „Das kommt in der Debatte meist nicht vor. Wenn man sich vorstellt, da flüchten 70-jährige Menschen, die ihr ganzes Leben in ihrem Dorf verbracht haben. Sie können die Sprache nicht, können sich kaum verständigen. Das ist eine Entwurzelung, die viel schwerer wiegt als beispielsweise bei einem Kleinkind“, so Pollak. Wichtig sei es aber ebenso, die Frauen gezielt zu unterstützen, da diese wiederum die größte Stütze für Kinder sind.

Therapie im eigenen Gesundheitszentrum

Möglich sind sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien. Das Konzept sieht vor, mit letzterem zu beginnen und je nach Bedarf dann auch Einzelgespräche zu führen. Fünf Familien werden bereits von T.I.W. betreut. Zu anfangs hat der Verein einmal pro Woche 25 Kinder aus den Betreuungs- und Ankunftszentren geholt und den Vormittag mit ihnen verbracht. Da wurde gespielt, gezeichnet, gebastelt: „Damit sie wieder lachen und ein Stück Normalität haben.“ Mittlerweile ist T.I.W. gut in der ukrainischen Community vernetzt, über Mundpropaganda hat sich das Unterstützungsprojekt herumgesprochen.

Bis Ende des Jahres soll das Unterstützungsprojekt für geflüchtete Familien jedenfalls laufen. Die Therapiegespräche finden im T.I.W. Gesundheitszentrum statt. Dieses eröffnete im Jänner 2021 und wird von der Schweizer „Zurich Foundation“ finanziert. Die Räumlichkeiten befinden sich beim Krankenhaus Göttlicher Heiland in Hernals.

Psychologische Anlaufstelle ohne Hindernisse

Die Notwendigkeit eines eigenen Gesundheitszentrums ergab sich aus der jahrelangen Erfahrung des Vereins mit sozial benachteiligten Jugendlichen. „Wir haben über Jahre gesehen, dass die Jugendlichen einfach auch medizinische Unterstützung brauchen. Sie benötigen eine psychologische Anlaufstelle und Ärzte, die sich wirklich Zeit nehmen“, erklärt Pollak.

Das Gesundheitszentrum bietet einen niederschwelligen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Dabei liegt der Fokus jedoch nicht auf akuten Erkrankungen, sondern vor allem auf der psychologischen Diagnostik. Was anfangs nur für den Kernbereich des Verein vorgesehen war, wird nun also auch für das Unterstützungsprojekt für Geflüchtete genutzt.

Zur Sache

Verein für Training, Integration und Weiterbildung – T.I.W.
Margaretenstraße 166, 1. Stock, 1050 Wien
Tel.: 01/ 879 15 56
www.verein-tiw.at